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  • TINDER oder: Eine Leidenschaft ohne Reue

    Romantik
    Ihre Hand hielt das Smartphone ans Ohr. Es klingelte am anderen Ende. Ihre Vorderzähne bearbeiteten die Unterlippe und ihr Blick ging recht ungeduldig im Zimmer umher. Ihr Fuß wippte ohne Unterlass, während sie auf der Sofakante hockte. Unwirsch fuhr sie sich mit der anderen Hand durch ihr Haar, als es in der Leitung in ihren Smartphone klackte:
    "Alles klar, Tina?"
    Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang erregt, aufgeregt:
    "Ist was passiert Tina? Nun, sag doch was!"
    Tinas rechte Hand suchte weiterhin noch ihren Weg durchs Haar, um dann schützend vor ihren Mund zu landen.
    "Es ist alles okay. Nichts passiert."
    "Wirklich nichts? Was geht ab? Warum rufst Du an?"
    "Es ist alles okay."
    Tina hatte den letzten Satz nur zögerlich flüstert und wieder fuhr sie sich mit ihrer Hand nervös durchs Haar, erwischte ein Strähne und zwirbelte sie wie zuvor hastig um ihren Zeigefinger.
    "Jetzt lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, Tina! Was ist passiert? Wie ist das Date gelaufen? Schon zu Ende?"
    Tina schluckte und atmete kurz tief durch.
    "Nichts ist passiert. Gar nichts."
    "Wie nichts? Was meinst Du damit?"
    "Nichts, überhaupt nichts, gar nichts, null, nada, niente.“
    Tinas Stimme brach ein wenig, als sie die letzten Worte aussprach.
    "Kein Sex?"
    "No."
    "Was?"
    "Ja."
    Eine Pause entstand. Stille schien sich kurz in der Leitung Raum zu verschaffen.
    "Kein Sex? Ist er impotent?"
    "Anke, der sitzt im Bad und hat sich dort eingeschlossen!"
    "Was?"
    Anke atmete hörbar am anderen Ende der Leitung tief durch, während Tina leise aufschluchzte.
    "Der ist in Bad und hat sich eingeschlossen?"
    „Was soll ich machen, Anke? Ich habe doch nichts unrechtes gemacht. Ich wollte doch nur Leidenschaft
    ohne Reue."
    "Und jetzt hockt deine Leidenschaft eingeschlossen im Bad?"
    "Ja."
    "Ich hatte Dir schon immer gesagt, lass die Finger weg von Online-Dating. Da holst du dir nur Psychopathen ins Haus."
    "Danke, Anke."
    Stille. Tina hatte von ihrem Wohnzimmer aus die Badezimmertür im Blickfeld. Es hatte sich nichts geändert. Sie wusste nicht, was der Typ da drin jetzt machte, sie wusste lediglich, dass er dort drinnen war. Und sie wusste, dass sie ratlos auf ihrem Sofa saß, während aus ihrem Schlafzimmer gedämpft ihre Kuschelmusik lief. Sie hatte alles perfekt vorbereitet, aber jetzt war er noch immer in ihrem Badezimmer und hatte sich eingeschlossen.
    "Tina, tschuldige, ich hab's nicht so gemeint. Wie ist es denn passiert?'
    Tina musterte die Badezimmertür und erklärte die Situation flüsternd:
    "Wie ich Dir ja gestern schon erklärte. Er sollte in meiner Straße parken, kurz durchklingeln und dann ne Minute später anschellen. Das hat er auch getan. Er rief an, ich hab den Espresso in die Tasse laufen lassen, und die Tasse zu der Banane und den Müsliriegel ins Bad gestellt. Schnell die Kerze angezündet und dann rüber und den Türöffner betätigt."
    "Und dann?"
    "Er kam rein und ging direkt ins Bad, während ich mit Negligé im Bett auf ihn wartete.“
    "In dem alten Pötter, denn dir dein Ex letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte?"
    "Den doch nicht! Anke, was denkst du. Der ist doch schon längst in der Altkleidertonne."
    "Na, Gott sei Dank."
    "Ne halbe Stunde lag ich da so, aber außer der Klospülung hab ich nichts mehr gehört."
    "Hast Du mal angeklopft? Vielleicht ist ihm was passiert, da drinne."
    "Hab ich."
    "Und?"
    "Er meinte, es sei alles in Ordnung."
    "Und?'
    "Mehr nicht."
    "Mehr nicht?"
    "Mehr nicht."
    "Seltsam ... . Da Kommt ein Mann, um Sex zu haben, schließt sich aber im Bad ein?"
    "Wir hatten doch bereits vorher telefoniert und uns Nachrichten geschickt und alles schien in Ordnung."
    "Hast Du ihn verschreckt! Vielleicht kommt er auch nicht mit der selbstbestimmten Sexualität einer Frau zurecht?"
    "Ich will doch nichts Unmenschliches von dem. Nun leidenschaftliches. Ich wollt mir doch nur ne alte Fantasie erfüllen. Einmal einen Mann nur im Bett kennenlernen und ihn genießen."
    "Und jetzt ist deine TINDER-Bekanntschaft im Bad und kommt nicht raus. Was macht er da drin? Holt der sich einen runter, oder was?"
    "Ich weiß es nicht, Anke."
    "Dann klopf noch mal."
    Tina zögerte, aber dann stand sie auf, ging zur Badezimmertür und klopfte:
    "Ist alles in Ordnung?"
    Es kam keine Reaktion. Sie klopfte erneut, energisch
    "Alles in Ordnung?"
    "Es ist alles in Ordnung", kam als Antwort.
    Seine Stimme klang klar und deutlich, sachlich. Eigentlich so, wie Tina seine Stimme vom Telefon her in Erinnerung hatte. Sie ging wieder zurück zu ihrem Wohnzimmersofa und flüsterte in ihr Smartphone:
    "Hast Du gehört? Mehr sagt er nicht."
    "Warum fragst Du nicht, was er hat, Tina? Der warst schließlich mutig genug, ihn zu Dir einzuladen, also sei mutig und frag ihn."
    "Anke, ich hatte ihn nicht zum Quatschen zu mir eingeladen. Ich wollte doch nun mal wieder fremde Haut spüren, Hände, die mich liebkosen, Arme, die mich halten, Lippen, die mich küssen ..."
    "Und einen, Du-weißt-schon-was, der richtig zustößt, ich weiß, aber wenn Du nichts unternimmst, dann wird es nie etwas werden."
    Tina überlegte. Über TINDER hatte sie ihn kennengelernt, mit ihm geschattet, dann mit ihm telefoniert. Sie hatten vereinbart, er käme vorbei, ließe sich von ihr führen und würde ihre Vorlieben respektieren und befriedigen.
    Kurzentschlossen stand sie auf und ging erneut zur Badezimmertür und klopfte an:
    "Ist irgendetwas, weswegen du nicht rauskommen magst?"
    "Nein, alles in Ordnung."
    "Echt?"
    "Ja."
    "Soll ich dir was bringen? Kaffee?"
    "Habe ich gefunden hier im Bad."
    "Was zu essen?"
    "Danke für die Banane und den Müsliriegel. Ich bin satt."
    "Oder etwas anderes zu trinken?"
    "Es hat hier ausreichend Wasser."
    "Ich habe hier eisgekühlte Kola. Oder auch Kaffeesahnelikör."
    "Nein, danke."
    "Der Likör schmeckt Eins A. Ich kann dir einen Likörkuss geben. Du wirst abgehen darauf."
    "Ich geh hier nicht raus."
    "Warum?"
    "Ich bleib hier."
    "Hast Du Angst?"
    "Nein."
    "Warum magst Du dann nicht rauskommen. Ich beiße auch nicht."
    "Nein."
    "Nein was?"
    "Nein, ich geh hier nicht raus."
    "Ich habe auch kaltes Bier für dich."
    "Ich geh' hier nicht raus."
    "Aber ein Gläschen Prosecco wirst Du doch wohl mit mir trinken, oder?"
    Tina lauschte angestrengt, aber jetzt blieb er ihr die Antwort schuldig. Es drang kein Laut durch die Badezimmertür.
    Zaghaft fragte sie nach:
    "Bist Du vielleicht etwas nervös?"
    Wieder keine Antwort.
    "Ehrlich, Frank, ich bin auch nervös. Aufgeregt. Aber das ist doch normal, oder etwa nicht? Da ist doch kein Grund, sich einzuschließen."
    Sie lauschte, aber Frank schien sich im Badezimmer nicht zu rühren. Sie legte kurz ihr Ohr an die Tür. Aber sie konnte nichts hören.
    "Frank. Du musst keine Angst vor mir haben. Ich tu Dir nichts böses. Eher in Gegenteil. Wir wollen es doch beide."
    "Nein."
    "Was Nein?"
    "Du, du willst es."
    "Was?"
    "War ja klar, dass du mir jetzt mit schönen Worten schmeichelst und mich dabei so anmachst."
    "Ich versteh nicht."
    "Du wolltest mich also tatsächlich nur flach legen. Nur Sex, nur meinen Körper und nichts, gar nichts anderes."
    "Wie?!"
    "Du willst mich nur benutzen und auslaugen."
    "Ich will was?"
    "Dass immer mir das passiert, das gibt es doch gar nicht."
    "Wie?"
    "Ich werde es überleben, irgendwie."
    "Was?"
    Mit der flachen Hand schlug Tina ungläubig auf die Badezimmertür. Sie war sprachlos. Verwirrt ging sie zum Wohnzimmer zurück und bemerkte das Smartphone in ihrer Hand. Hastig hielt sie es an ihn Ohr und flüsterte:
    "Hast Du das gehört?"
    "Hab' ich. Du musst ja einen tollen Eindruck auf ihn gemacht haben."
    "Ach ja? Danke, Anke!"
    "Bitte, Titte, äh, Tina. Aber seh es doch mal nüchtern: der Mann hat Komplexe. Wie alle Männer."
    "Ich verstehe das nicht. Zuvor hatte er auch gesagt, er wäre geil auf Sex mit mir. Einfach Haut auf Haut, Körper auf Körper. Jedem seinen Spaß und gemeinsam zusammen noch mehr."
    "Keine Ahnung, was mit den Männern heutzutage los ist. Früher brauchte man nur den Arm auszustrecken und hatte ein halbes Dutzend Hochnotgeile an jeder Hand und konnte sich den Wehrten aussuchen ..."
    "... und jetzt habe ich ein verhuschtes Exemplar im Bad. Wie krieg ich den da wieder raus?"
    "Frag ihn, ob er Fußball mag."
    "Wieso?"
    "Es läuft gerade das Länderspiel. Männer sind ja alle fußballgeil."
    Tina stand kurz auf und rief zur Badezimmertür:
    "Magst du vielleicht Fußball schauen? Deutschland spielt."
    Sie lauscht intensiv. Keine Reaktion. Nicht das kleinste Geräusch.
    Sie schaltete den Fernseher ein und regelte die Lautstärke etwas hoch. Das Spiel lief bereits. Rechts oben entzifferte sie mühsam, dass es kurz vor Ende der ersten Halbzeit noch immer nullnull stand. Sie schlich zum Badezimmer und lauschte. Keinerlei Geräusche. Als ob das Bad leer wäre. Sie ging wieder zurück in ihr Wohnzimmer und flüsterte wieder in ihr Smartphone:
    "Ich hab jetzt Fußball angeschaltet. Aber er rührt sich nicht."
    "Warte ein wenig. Mit Speck fängst du Mäuse, mit Fußball echte Kerle."
    Tina antwortete nichts. Das Smartphone am Ohr verfolgte sie das Spiel. Es war ein Ballgeschiebe um den Mittelkreis herum. Der Reporter nölte etwas von einem hoch-strategischen Spiel und erzählte planlos aus dem Leben des deutschen Torhüters. Und bevor der Reporter überhaupt mit seiner ersten Anekdote fertig war, pfiff der Schiedsrichter zur Pause.
    "Und, Tina?"
    Tina blickte zum Badezimmer.
    "Immer noch nichts, Anke."
    Als Pausenprogramm wurde Werbung gesendet. Tina schaltete auf einen anderen Kanal.

    "… 'Dieter, Dieter!' 'Oh, Claudia!' 'Oh, Dieter, ich bin ja so glücklich!''Claudia, ich bin so froh dich gefunden zu haben!' 'Oh, Dieter!' ..."

    Tina blendete den Bildschirmtext ein. Ein Liebesfilm nach Ideen von Rosamunde Pilcher wurde offensichtlich übertragen. Das Liebespaar küsste sich innig, Geigen im Hintergrund und blauer Himmel untermalten die Szene. Beide lächelten breit und blickten sich tief in die Augen. Zuckersüß. Tina wollte umschalten, aber sie erwischte den richtigen Knopf auf der Fernbedienung nicht. Stattdessen erhöhte sie die Lautstärke.

    " ... 'Oh, Dieter!' 'Oh, Claudia!' 'Wollen wir heiraten?' 'Wir müssen aber erst Mutter fragen, Claudia.' 'Heute noch?' ''Gleich.' 'Ach, Dieter, du machst mich so glücklich.' ..."
    Ein Orchester setzte ein, eine einzelne Geige heulte herzzerreißend...

    In dem Augenblick klackte es vom Badezimmer her. Tina zuckte zusammen und sah die Tür sich nach außen hin öffnen. Die offene Tür versperrte ihr die Sicht, aber sie sah ihn noch, in seinem sandfarbenen Anzug, hochaufgewachsen, stattlich, aber hastig, wie er zur Eingangstür entschwand. Sie hörte das Öffnen und danach die Tür ins Schloss fallen.
    Tina stellte den Fernseher ab und ging zum Bad.
    "Anke, ich glaube, er hat das Bad verlassen."
    Das Bad war leer. Im Waschbecken stand die leere Tasse Espresso, daneben lagen die Bananenschale und die Verpackung des Müsliriegels.
    "Er ist weg."
    In Tinas Stimme schwang Enttäuschung mit.
    "Sei froh, Tina, dass es so gekommen ist. Wer weiß, was der sonst noch mit dir angestellt hätte."
    Tina beendete die Verbindung wortlos. Sie starrte noch immer auf das Waschbecken und die Reste darin.
    Was er mit ihr angestellt hätte ... ja, wenn er doch wenigstens...
    Ankes Worte hallten in ihr nach.
    Ich wollte doch bloß mal wieder Leidenschaft ohne Reue, waren ihre Gedanken.
    Sie strich über ihre Haare, seufzte, trug die Überreste in die Küche und ging in ihr Schlafzimmer. Sie starrte auf die bereit gelegten Kondome auf der Nachttischkommode und wieder entfuhr ihr ein Seufzen.
    Leidenschaft ohne Reue.
    Die Einladung an ihn reute sie nicht. Der Typ war eigentlich richtig, nur wohl ein wenig schüchtern. Und die notwendige Leidenschaft fehlte.
    So nah dran, dachte sie, als sie sich auf Bett legte, das Kissen zu sich hinzog, umklammerte und auf ihren Unterleib drückte.
    So nah dran.

  • Was ist Zeit? Wird alles anders?

    Du kommst nach Hause,
    legst deine Füsse hoch,
    schüttest dir ein Glas Chardonnay ein
    und sinnierst darüber nach,
    was an diesem Tag geschehen war,
    warum es gelaufen ist, wie es lief,
    warum Traum und Realität ein Abgrund trennt,
    öffnest die Augen und stellst irritiert fest,
    dass du dir kein Wein, aber schales Bier eingeschenkt hattest,
    schaust in die Firmen-Emails und grübelst,
    denkst an den vergangenen Tag,
    daran, was sich geändert hat,
    daran, was das Leben macht,
    daran, was du lebendig geändert haben möchtest.
    Und dann summst du das kleine feine Lied ...

    Ja ich weiß es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit du fehlst hier ...

    http://www.youtube.com/watch?v=pe-awQ3hur0

  • Kneipengespräch: Telefonzellen und andere Beschränkungen ...

    Tresen 0

    »Lange dich nicht mehr hier im Lokal gesehen.«
    »Ich habe Studien betrieben.«
    »Studien?«
    Teilnahmslos füllte der Wirt diverse Kölschstangen. Mein Nachbar schien mir zuhören zu wollen.
    »Am Menschen und seinen Hinterlassenschaften.«
    »Bahnhofsklo-Sightseeing?«
    »Nein, eher Heldenforschung.«
    »Könnte aufs gleiche Rauskommen.«
    »Ist aber ein bedeutender Unterschied.«
    »Welcher?«
    »Jene Schilder auf öffentlichen Klos wurden nie für Helden an Klowänden aufgehangen: Hinterlassen Sie diesen Ort so, wie sie ihn vorzufinden wünschen.«
    »Mag sein, aber ich kachel doch nicht ein öffentliches WC, nur weil ein Schild es von mir fordert. Das überlasse ich lieber wahren Helden. Allerdings, ich hätte auch gerne mal meine private Telefonzelle, in der ich mit grauem Anzug und unauffälliger Brille hinein schreite und im blau-rotem Umhang dann wieder rausgeflogen komme.«
    »Du würdest gerne ein Held wie Superman sein?«
    »Ja, aber andererseits ist der vollkommen überschätzt, für unsere heutige Realität.«
    »Nicht ganz. Superman ist bereits Teil der literarischen Kultur geworden.«
    »Superman hat in dieser Welt keine Macht mehr und ist maximal nur noch literarische Kultur der Vergangenheit.«
    »Warum?«
    »Schon mal bemerkt, wie die Anzahl der geschlossenen Telefonzellen in Deutschland zurück gegangen ist?«
    »Das liegt wohl an unserem Magenta-Riesen.«
    »Lois Lane, Supermans Liebe, könnte ja mal nach Deutschland kommen und einen Artikel drüber schreiben, warum in diesem Land kein Superman auftauchen wird.«
    »Warum? Hast du Sehnsucht nach einer starken Hand, die alles regelt?«
    »Das meine ich nicht. Es geht um den Einfluss multinationaler Konzerne in Ländern: Unser Magenta-Riese wurde sichdelich aufgrund strategischer Überlegungen vom Lex Luthor übernommen, Supermans Erzfeind. Darüber sollte man sich hier mal Gedanken machen. Und nicht über Bahnstreiks.«

    Sprach's und ging aufs Klo zur aktive Kneipen-Klo-Besichtigung.
    Es war keiner mehr vorhanden, der von mir ungefragt über meine Studien unterrichtet werden könnte. Also grübelte ich über den Zusammenhang zwischen Comic-Kultur und dem Aussterben von geschlossenen Telefonzellen, und beschloss dann das einzig Sinnvolle: ich bestellte mir ein frisches Kölsch. Vielleicht könnte ich den Wirt dabei in ein Gespräch über meine Studien einwickeln ...

  • Generationskonflikt

    "Hallo, junger Mann, ich sammle für das Seniorenheim von der Caritas."
    "Wie gut. Opa ist oben, den können Sie schon mal mitnehmen, Oma ist noch einkaufen."

  • Endlich reich ins Heim! Die Rente ist gesichert ...

    So, das war's.
    Ich bin jetzt vermögend.
    Sauvermögend. Supersauvermögend. Stinkreich sozusagen.
    Gerade erhielt ich über LinkedLin folgende Mail:

    Dear Careca da Silva ,
    I am Mrs. XXX I am a citizen of Denmark, I am currently working with Natwest Bank. I have been working here for 17 years now, and I have a good working record with my bank.. I am Making an offer to you in relation to the death of my deceased client who left a huge amount of money £15,812,664 (Fifteen Million, Eight Hundred and Twelve Thousand six hundred and sixty four GBP.) in our bank. After unsuccessful attempts to find his relative then I decided to contact you since you have the same surname with him. For more information, If this proposal is alright by you then kindly get back to me via e-mail (***@hotmail.com) for confidential reasons.I anticipate your co-operation.
    Thanks you for your time and do have a great day.
    Regards,
    XXX
    Managing Director Natwest Bank

    Habe schon mal bei Sixt nen Transporter bestellt. Schließlich wollen die 15 Millionen Pfund aus Dänemark von mir abtransportiert werden, woll.
    Und dann?
    Ganz klar: Meine Tochter macht dann in Wuppertal mit dem Papst ne Butike auf. Darin werden wir dann den Modezaren Deutschlands das Fürchten lehren, woll.

    Aber jetzt erstmal nen Champagner köpfen. Ich gönn' mir ja sonst nichts.

    Liebe Grüße vom Neu-Reichen

    Careca

    P.S.:
    Bettelbriefe werde ich gnadenlos nicht lesen und dem Recycling der Wertstoffhöfe durch meinen noch einzustellenden Buttler zuführen lassen.

  • Blick ins Tiefkuehlfach

    Zustand Mitte September 2014 ...
    Cooldown

  • In der Blüte des Lebens

    Ihr Mimosen der Welt!
    Schaut auf diese Blüte und erkennt, dass unterhalb
    dieser Blüte Ihr Mimosen eklig scharfe Stacheln habt!

    Blüte einer Mimose

  • Die Satire-Polizei

    "Sie verkennen den Ernst der Lage, mein Lieber!"
    Seine Worte waren von ihm langsam und bedächtig ausgesprochen worden. Mit einer Geste winkte er seinen Begleiter heran.
    "Ich bezweifle, dass die Lage überhaupt Ernst verdient hat. Sie ist eher lachhaft", entgegnete ich und versuchte ebenfalls Ruhe in meiner Sprache zu bringen.
    "Sie sollten vorsichtig mit Ihrer Einschätzung sein. Es gibt viele Leute, welche die Lage sorgt."
    Sein Begleiter stand jetzt hinter ihm. Sein Blick fixierte mich wie ein Gerichtsdiener einen Verbrecher beobachtet. Ich war mir meiner Einstellung sicher, aber der Mann und sein Begleiter waren aus einem anderen Holz geschnitzt als die, die zuvor mit mir in Kontakt getreten waren.
    "Warum habe ich den Eindruck, dass Ihnen die Sorgen anderer Freude bereiten?"
    "Das Wort 'Freude', mein Lieber, ist deplatziert. Eine solche Lage ist nie eine 'Freude'."
    "Aber Sie schüren mit Begeisterung Angst."
    "Ich schüre keine Angst. Ich versuche lediglich, die Situation stabil zu halten."
    "Sie malen den Teufel an die Wand und nähren Angst, dass der Teufel mächtiger sei als alles andere."
    Sein Blick musterte mich abwägend.
    "Nennen Sie es, wie Sie es wollen, aber akzeptieren Sie die Notwendigkeit des Ernstes ... ."
    "... der Lage, ich weiß."
    Meine Ungeduld hatte mich ihm ins Wort fallen lassen. Und ich wollte der kurz entstandenen Gesprächspause keinen weiteren Raum gewähren:
    "Sie haben Angst vor dem Lachen der Menschen. ..."
    "Das Lachen ist ein Zeichen der Beschränktheit des Menschen ..."
    "Das Lachen ist ein Zeichen, dass Angst besiegt wurde, und dass Schreckensbilder keine Macht mehr über den Menschen haben. Ein lebensnotwendiges Ventil, Widersprüche wegzulachen"
    "Ein Mensch, der sich von einer Angst befreit, ist ein unkontrollierbarer Mensch."
    "Ihr Leitbild ist der kontrollierte Mensch?"
    "Was für das Individuum hin und wieder eine Wohltat sein kann, ist für die Massen eine Geißel, die durch so etwas in Anarchie abzugleiten droht."
    "Es ist nichts Schlechtes dabei, wenn die Ernsthaftigkeit der Gegner durch Lachen zersetzt wird."
    "Das Lachen ist ein Zeichen für einer niedrig entwickelten Gesellschaft, die es verdient, dass dessen Freiheit eingegrenzt wird. Sie muss durch einen Ernst erniedrigt und eingeschüchtert werden. Durch einen heiligen Ernst, der selbst den Tod zum erfürchtigen Ziel werden lässt."
    "Ich verstehe. Und wer sich diesem mit Lachen widersetzt, für den wird der Tod lachhaft. Der nimmt sogar dem Tod seinen Schrecken."
    "Eine lachende Armee hat noch nie einen Krieg gewonnen!"
    "Eine lachende Armee ist ein Widerspruch in sich. Sie würde noch nicht mal das Töten im Krieg ernst nehmen."
    "Ein Spotten und ein Verlachen hat noch nie einen Wert geschaffen!"
    "Lachen heilt Menschen."
    "Wozu soll das ein Wert sein? Der Mensch wird geboren, um zu sterben. Der Tod lässt sich nicht weglachen. Und Epidemien lassen sich nur mit nötigem Ernst aufhalten. Lachen wird es nie schaffen."
    "Lachen ist aber das kleinere Übel, ein Leben zu verbringen. Über das Übel zu lachen, macht es erträglicher, statt es nur ernst zu nehmen."
    "Ein kleineres Übel? Ihnen fehlt der notwendige Respekt vor dem, was anderen heilig ist. Das Lächerlichmachen ist keine Kunst, sondern nur zerstörend und gesellschaftzersetzend."
    "Das Lächerlichmachen, welches Sie meinen, hat auch nichts mit dem Lachen zu tun. Ihre Definition dazu soll nur Angst erzeugen. Angst vor der schneidenden Waffe des Lachens, welches die einengenden Stricke der Angst zerschneidet und den Menschen davon befreit."
    "Sie sollten sich reden hören! Einfach unsinnig. Lachen ist kein Reinigungsmittel, welches den Menschen von seinen Mängeln und Lastern und Schwächen erlöst!"
    "Sie kann aber dem Menschen dabei helfen. Lachen erhebt den Menschen über seine Unperfektheit und lässt jene leichter schultern."
    "Sie haben es nicht kapiert. Der lachende Mensch fühlt sich als Herr, als Umstürzer von Herrschaftsverhältnissen, der Anarchist und Bilderstürmer, der die Ordnung stört und Gemeinschaft zerstört. Und Ihre Satire-Versuche, mein Lieber, Ihre lächerlichen Satire-Versuche sind so dermaßen schlecht, dass wir anfangs erst gar nicht in Erwägung gezogen haben, Sie Ernst zu nehmen."
    Seine Stimme war scharf und schneidend geworden. Sie erzeugte in mir eine Beklemmung, eine unbestimmte Angst. Sie verwirrte mich.
    Ich atmete tief durch und bemerkte, dass er das Spiel der Angst mit mir zu spielen versuchte.
    "Nein, mein Herr, das klappt nicht", lachte ich auf, "darauf falle ich nicht rein!"
    "Das ist ohne Bedeutung, mein Lieber. Ohne jegliche Bedeutung. Denn mit ihrer letzten Veröffentlichung haben Sie die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Den Ernst vorsätzlich ignoriert. Das Wichtige versucht, ins Lächerliche zu ziehen. Ernsthafte Menschen mit heiligen Idealen einer Gesellschaft, dem Lächerlichkeit preis zu geben."
    "Heilige Ideale einer Gesellschaft? Sie heben so etwas in die Höhe, um andere dafür leichter als Niedere abgrenzen zu können?"
    "Ideale sind immer hoch. Und eine Gesellschaft sollte Angst darum haben, die Entfernung dazu zu vergrößern!"
    "Das ist keine Höhe. Das ist lediglich eine Fallhöhe."
    "Nenne Sie es, wie sie es wollen. Sie haben mit Ihrer Satire an den Stützpfeilern dieser Ideale gesägt. Und das konnten wir nicht mehr ignorieren."
    Er gab seinem Begleiter mit seiner Hand ein Zeichen. Seine Begleitung öffnete seine Tasche, entnahm Handschellen und Stricke und trat einen Schritt auf mich zu.
    "Ich hatte mich geirrt! Sie haben keine hohen Ideale. Sie müssen die der anderen erheblich tiefer legen, damit ihre als höhere erscheinen. Sie sind einer lachhaften Satire-Sharia-Polizei. Sie sind Befürworter des Ernstes, der Lustfreiheit, Gegner jeglicher hedonistischen Regung, Verwalter eines eigenen humorbefreiten Sumpfes! Bei Ihnen hat das 'tieferlegen' System. Nur, in Ihrem Sumpf bedeutet 'tieferlegen', dass Sie den anderen dabei ertränken. Ich lache über Sie."
    Mein Lachen erstickte auf halbem Wege, als der Begleiter Hand an mir anlegte. Ich spürte die Angst, konnte sie nicht mehr weglachen. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, jetzt etwas zu versuchen, was ich nie intensiv gelernt hatte: Lachen als Bekämpfungsmethode der eigenen Angst.
    Der Mann beugte sich vor und schaute mir direkt in meine Augen, während sein Begleiter mich mit den Handschellen fixierte und mir mit den Stricken um meinen Körper die Luft abschnürte.
    "Sehen Sie, mein Lieber, Sie haben Angst. Ihr Lachen hilft Ihnen nicht aus ihrer Situation, Ihr Lachen ist dabei zu sterben. Es ist Ihre eigene Schuld, es hätte nicht soweit kommen müssen. Sie hätten den Ernst der Lage anerkennen sollen, statt zu versuchen, sich mit einer dümmlichen Satire zu profilieren."
    Meine Lunge war von den Stricken eingepresst, das Atmen fiel mir schwer und schwerer, ich hörte ein Rauschen in meinen Ohren, mein Gegenüber wurde schwammig, ich konnte ihn nicht mehr scharf sehen, es wurde immer dunkler.
    Und mit einem Mal spürte ich den Schmerz nicht mehr.
    Unvermittelt ging mir ein Spruch noch durch den Kopf:

    "In diesem Theater sind alle Notausgänge verrammelt und abgeschlossen. Im Notfall brauchen Sie somit keine Panik bekommen. Lohnt nicht."

    Ich musste lachen. Innerlich. Ohne Angst und Panik. Mein Kopf wurde schwer.
    Alles wird gut ...

  • Würfelfreies Duschen mit Wasser

    Ich wurde von Fremdscham durch Franz-Kevin Brezner (http://www.youtube.com/watch?v=w0GPyN88_dc) zur #NPSWarmduscherChallenge nominiert. Diese Challenge soll der narzisstischen Persönlichkeitsstörung als dem leider vorwiegenden Hintergrund des Phänomens #ALSIceBucketChallenge Aufmerksamkeit zukommen lassen.
    Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist ein ernstes Thema mit oft sehr belastender Symptomatik für Betroffene und deren Umfeld. Soziale Netzwerke sind als Selbstdarstellungsplattform der ideale Dünger und Katalysator für die Entwicklung bzw. Manifestation des Störungsbildes.
    Mehr zur NPS unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeitsstörung#Narzisstische_Pers.C3.B6nlichkeitsst.C3.B6rung

    Und jetzt kommt es:
    Ich selbst nominiere Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser!!
    Es heißt für Sie nun:
    Innerhalb von 24h warm duschen oder spenden.
    Spenden? Ja! Und zwar Samen für eine neue, wirklich selbstsichere Generation von Menschen, deren Selbstwertgefühl nicht von der ständigen Bestätigung durch andere abhängig ist.

    Hier mein Beitrag für die #NPSWarmduscherChallenge:
    http://www.youtube.com/watch?v=2R6P4Hmo0es

  • Kriegsgetrommel

    Am 30. August lief die folgende Meldung über die Nachrichtenagenturen:

    Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite sieht Russland "praktisch im Krieg gegen Europa".

    Die Medien verbreiteten diese Nachricht und widersprachen dem nicht sehr heftig.
    Für alle war diese Nachricht opportun. Ein nachdrückliches Dementi dieser fatalen Ansicht erfolgte bis heute nicht.
    Stattdessen die Meldung, dass England eine Eingreiftruppe für die Ukraine zusammenstelle ...

    Dazu an dieser Stelle das Video zu dem Lied "Krieg" von Rio Reiser:
    http://vimeo.com/51282155

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