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  • Sticky Ade, Populis blog.de. Hallo, Wordpress "provinzansichten.com"

    Diesen Blog gibt es noch bis zum 15. Dezember. Also, gewissermaßen bis zum zweiten Tag nach dem dritten Advent. Kerzen anzünden, ist aber nicht meine Kernkompetenz. Ausblasen eigentlich auch nicht. Also gibt es ein Leben nach careca.blog.de
    Ich bin jetzt auf

    http://provinzansichten.com/

    umgezogen. Alle Inhalte von hier habe ich dort inzwischen gespiegelt.
    Zwar werde ich noch hier auf blog.de bei Freunden mitlesen, aber nach dem 15. Dezember wird es duster werden, wenn ich nicht weiß, wer wo wohin umgezogen ist.
    Also, liebe Blog.de-Freunde, hinterlasst mir im Kommentarbereich eure neuen Blog-Adressen. Bitte.

  • Ein wenig Statistik für die kurze Ewigkeit bis Dezember 2015

    Statistiken, die die Welt nicht braucht:
    Meine drei unaktivsten Blogger von blog.de

    digdigger (Letzte Aktivität: vor 1935 Tagen)
    jensonline (Letzte Aktivität: vor 1612 Tagen)
    Blaues_Auge (Letzte Aktivität: vor 1502 Tagen)

  • Alternative zum Bloggen in der Gemeinschaft angeboten

    Wer eine blog.de orientierte Gemeinschaft sucht (also ursrpüngliche blog.de-Blogger) sollte unbedingt den Eintrag von
    http://msmomw.blog.de/2015/07/14/schliessung-blog-de-20659721/
    ... (Liliths Welt; richtig, endlich mal jemand, welcher weiß, das Apostrophen für des guten Bloggens und für des Genetives Existenz unnötig sind ;) ... aua, lieber mein Herr Grundschullehrer, nicht schlagen ... ) ...
    unter
    http://www.blog.de/group/gemeinsamsindwirstark
    lesen. Dort wurde eine Gruppe zur gemeinschaftlichen Emigration gebildet.

  • Nun denn, das war's fürs erste ...

    Hallo,

    Wir müssen Dir mitteilen, dass blog.de Mitte Dezember 2015 geschlossen wird.

    Das war die Nachricht in meinem blog.de Postfach. Das bedeutet für mich, dass ich mit Schmerzen das Ende meines Blogs nahen sehe. Zwar habe ich in letzter Zeit nicht mehr so häufig gebloggt, aber Schreibblockaden sind eine Seite, aber hier habe ich gerne einige Blogs gelesen.
    Okay.
    Ich werde hier nicht mehr bloggen. Das wäre vertane Zeit. Leider.
    Allen Lesern sei gedankt. Schaut hier rein, denn ich denke, ich werde einen Ersatz-Blog aufmachen, denn so ganz kann ich nicht ohne. Ist halt mein Herzblut gewesen und gehört noch immer zu mir.

    Bis dann dann

    Careca

  • Ein Aufmacher: Duplizität der Ideen, zeitversetzt

    Als ich heute am BILD-Zeitungskasten vorbeikam, stockte ich. Ein Bild auf deren Titelseite kam mir irgendwie vertraut vor, bekannt. Irgendwie aus meiner Ideenkiste. War es aber nicht. Ich überzeugte mich nochmals im Internet auf deren Seite.
    Frau Merkel trug einen preußischen Helm und der sah genauso aus, wie der, den ich für mein Buch-Cover vor zwei Jahren verwendete.
    Cover-Vergleich
    Reiner Zufall. Schon die Helme sind eindeutig unterschiedlich.
    Aber es freut mich für mein Buch, dieses Zusammentreffen der Ideen unterschiedlicher Schöpfer.
    Eindeutig.
    Der Rest ist etwas anders gelagert.
    Egal ...

  • Nächtliche Intimgespräche

    Leise ertönte der Klang zweier anstoßender Sektgläser durch den Raum. Ihr Schlafzimmer wurde mit einem blau-weißlichen Licht geflutet. Das Display ihres Smartphones hatte sich eingeschaltet. Eine neue Nachricht per WhatsApp. Sie war noch nicht richtig eingeschlafen und war sofort wieder wach. Die Uhr des Smartphones zeigte 1:35. Mit ihren Fingern fuhr sie über das Display, bis sie die Anwendung geöffnet hatte.

    „Good morning, creature of the night“.

    Yuzo hatte ihr geschrieben. Sie lächelte. Yuzo schrieb ihr regelmäßig, wenn er in seinem Büro in Tokyo eintraf. Sie hatte ihn vor drei Monaten auf einer japanischen Kunstausstellung in Düsseldorf kennengelernt. Sie waren sich mehr als nur sympathisch, es hatte sofort gefunkt und am gleichen Abend hatten beide ihren gemeinsamen Spaß in seinem großen Hotelbett. Zwei Tage war die Ausstellung und das Rahmenprogramm für beide nur noch Nebensache. Sie musste wieder zurück und er flog wieder nach Tokyo zu Kindern, Hund und Frau zurück. Seitdem schrieb er ihr regelmäßig zwischen 1 und 2 Uhr morgens und beschwor die beiden gemeinsamen Nächte.
    Sie lächelte, als sie „ creature of the night“ las. In jenen zwei Nächten hatte sie ihm damals von der „Rocky Horror Picture Show“ vorgeschwärmt. Phantasiereich und dann – als er nicht verstand – hatte sie ihm handfest erklärt, was sie – wäre sie „Janet“ in dem Film gewesen – selber so gemacht hätte.

    „Kisses, darling“, war ihre kurze Antwort über WhatsApp. Sie mochte ihn. Er war einfühlsam und zärtlich in einer bestimmten Weise, aber überhaupt nicht weichlich
    Sie scrollte nochmals durch die Historie des Chats. Yuzo wollte sie unbedingt noch mal sehen. Er hatte Pläne für Bamberg gemacht. Dort war ein anderer japanischer Kulturevent geplant gewesen. Aber die Pläne hatten sich zerschlagen. Sein Chef hatte ihn offenbar in ein anderes Bürozimmer versetzt und somit hatten sich seine Aufgaben geändert. Sie vermutete, dass Yuzo bei irgendeinem seiner geschäftlichen Tricks erwischt wurde, denn Yuzo beschrieb sein neues Bürozimmer als sehr schlecht. Vorher konnte er von seinem Fenster bei gutem Wetter den Fujijama sehen. Jetzt starrte er offenbar nur durch ein Fenster zum Hinterhof hinaus. Und schlechteres Büro bedeutet in Japan immer eine Art der Degradierung.
    Wieder ertönte leise der Klang zweier anstoßender Sektgläser durch den Raum. Zwei Wischbewegungen später las sie die Mail von Michael.

    „Noch wach?“

    Michael hatte sie über die Dating-App „Tinder“ kennen gelernt. Sechs Jahre älter wie sie war er. Knappe 50, aber sexy. Seine Bilder in „Tinder“ fand sie süß, seine Selbst-Beschreibung hatte sie angesprochen. Er war nicht auf One-Night-Stands aus. Sie hatten sich ge-match-t und dann geschrieben. Er konnte wahnsinnig gut schreiben. Sie hatte ihn einmal getroffen. Zum Eisessen. Spagetthieis. Danach landeten sie beide in ihrem Bett. Er war ja ganz nett, aber nicht wirklich ihre Kragenweite. Nicht sportlich genug, zu wenig männlich, zu unvermögend.

    „Ja“, schrieb sie zurück.
    „Regt dich dein Mann wieder auf?“
    „Der erregt mich schon lang nicht mehr.“
    „Unglaublich bei so einer erregenden Frau wie du.“

    Sie lächelte. Er war trotzdem noch irgendwie süß. Antworten würde sie ihm jetzt nicht mehr direkt. Er sollte schon selber bemerken, dass sie kein richtiges Interesse mehr an ihn hatte. Sie schickte ihm einfach ein Herzchen. Er würde schon eine andere passende Frau finden, da war sie sich sicher.
    Schlafen konnte sie nicht mehr.
    Eine weitere WhatsApp-Nachricht traf ein.

    „Noch wach?“

    Jetzt war es Rainer. Sie hatte ihn über ein Kontaktportal kennengelernt. Er war schon etwas Ernsteres. Eigentlich hatte sie keine Lust zu antworten, aber er hatte wohl ihren Online-Status gesehen.

    „Ja“, schrieb sie zurück, „aber ich werde jetzt schlafen.“
    „Wie immer getrennt?“
    „Seit Jahren.“
    „Immer auf Freiraum bedacht?“
    „Ich brauche meinen eigenen Raum, meinen eigenen Schrank, mein Bett, mein Intimbereich.“
    „Und deine eigene Affäre darin.“
    „Na und? Mein Mann ist ein Schlappschwanz. Ehrlich. Kriegt keinen mehr hoch. Hab ich doch schon geschrieben.“
    „Darum holst du dir, was du bei ihm nicht mehr bekommst, stimmt’s?“
    „Soll ich als Nonne leben und sterben? Als Paar funktionieren wir aber weiterhin. Er darf nur hiervon nichts erfahren.“
    „Klar. Verstanden. Von mir bestimmt nicht. Du hast noch immer kein Foto von dir im Portal.“
    „Ich will nicht, erkannt werden. Ein Freund von ihm ist hier auf dem Portal. Mein Mann könnte es erfahren und dann ginge alles in die Brüche.“
    „Verstehe.“
    „Wenn unsere Kinder nicht wären. Aber er ist ein liebender Familienvater. So einen findest du heute nicht mehr. Wir sind eine phantastische Familie. Unsere Urlaube sind toll. Und wenn er mich auf gesellschaftliche Anlässe mitnimmt, ist das einfach traumhaft.“

    Sie wartete etwas, ob er antworten würde. Aber es kam nichts.

    „Du hast auch kein Bild im Portal“, hakte sie nach.
    „Ich möchte nicht erkannt werden. Auch ich habe einen Freund hier, der im Kontaktforum regelmäßig seine Affären klar macht. Es wäre megaschlecht für mein Geschäft, würde er mich hier entdecken.“
    „Aber schicken magst du mir kein Foto von dir?“
    „Später. Wir schreiben uns doch erst seit vorgestern.“
    „Na und?“
    „Sorry. Habe ich hier bisher immer so gemacht. Bislang hatte das keine Frau an mir hier gestört. Ich bin kein Fake.“
    „Woher soll ich das wissen?“
    „Wenn du willst, gebe ich dir paar Chat-Namen von hier registrierten Frauen. Bei denen kannste im Chat nachfragen, wie ich so bin.“

    Eingebildeter Fatzke. Glaubte er wirklich, er wäre der Hengst im Bett? Aber ein reizender Fatzke immerhin.
    Sie hörte auf dem Gang vor ihrer Tür, wie ihr Mann ins Badezimmer ging. Oder besser gesagt schlurfte. Er ging immer wie ein Bauer. Füße beim Gehen zu heben, war nie seine Disziplin gewesen.
    Sie wartete etwas, ob ihr Chatpartner noch mehr schreiben würde. Aber es kam nichts mehr.

    „Und wie biste so im Bett? Erzähl mal genauer. Ich will es wissen, was du meinst, dass die Frauen von dir so wissen.“

    Sie wartete erneut, aber es kam immer noch nichts.

    „Moment“, lautet dann aber doch noch die kurze Antwort.

    Sie seufzte. Solche Wartepausen hasste sie. Aber noch mehr hasste sie zu telefonieren. Sie schrieb lieber. Es war geräuschloser und unauffälliger. Sie achtete immer sorgfältig darauf, dass ihr Mann nichts bemerken würde. Und freilich erst recht nicht ihre Kinder. Sie seufzte erneut. Wären ihre beiden Würmchen nicht, sie hätte sich längst scheiden lassen.
    Kurz darauf hörte sie im Bad die Spülung und sich die Badezimmertür erneut öffnen. Und wieder dieser schlurfende Gang. Wie sie das hasste! Warum konnte der seine Füße nicht anheben? Musste der wie ein Penner rumschlurfen?
    Als sie hörte, wie sich die Schlafzimmertür bei ihrem Mann schloss, sprang sie kurz entschlossen auf. Ihre Blase drückte. Sie musste auch mal.
    Mit ihrem Smartphone in der Hand schlich sie leise ins Bad. Ihr Chat-Partner hatte weiterhin nicht geantwortet. Sie schloss die Badezimmertür hinter sich ab, ging zum Klosett und ließ sich drauf nieder. War ihr Chat-Partner eingeschlafen? Typisch Männer!
    Sie überlegte, was sie ihm schreiben sollte, als ihr Blick auf den Bereich unter des Waschbeckens fiel. Dort lag ein Smartphone. Das Smartphone ihres Mannes. Sie erhob sich, ging – die Pyjamahose um die Fußknöchel – trippelnd zum Waschbecken und hob das Smartphone auf. Sie schaute auf das Display. Die Bildschirmsperre war noch nicht aktiviert, WhatsApp war geöffnet. Erst zögerte sie, ob sie den Chat ihres Mannes lesen sollte, denn es war ja schließlich sein Smartphone und es ging sie ja nichts an, was er damit anstellte. Aber dann siegte ihre Neugierde und sie las die letzten Zeilen:

    „Bei denen kannste im Chat nachfragen, wie ich so bin.“
    „Und wie biste so im Bett? Erzähl mal genauer. Ich will es wissen.“
    „Moment.“

    Unvermittelt klopfte es an der Badezimmertür, sie zuckte verschreckt zusammen und dann hörte sie vor der Tür ihren Mann rufen:

    „Schatz, biste da drin? Kannste mal schauen, ob ich dort mein Smartphone habe liegen lassen?“

  • Kneipengespräch: Machtverhältnisse

    »Hast du was zu sagen?«

    Er schaute seinen Trinknachbarn an. Aber jener schwieg. Ich kannte ihn. Er war schon immer ein Schweiger vor dem Herrn. Seit ich ihn vor vierzehn Tagen an der Hotelbar zum ersten Mal getroffen hatte. Ich musste ihm regelrecht jedes Wort aus der Nase herausziehen. Er nannte sich Andreas und war von FORD Köln nach Detroit geschickt worden, um dort Montagearbeiten bei einem Automobilzulieferer zu organisieren.
    Andreas war eigentlich kein Schweiger, aber während der Arbeit musste er immer wieder alles erklären. »Von der Ursuppe bis zur Erfindung der Dampfmaschine, und alles jeden Tag erneut in Details« hatte er mir erklärt. Zuerst hatte ich gegrinst. Da war das Volk, das bereits auf dem Mond war, aber nicht fähig war normale Industrieprozesse zu verstehen. Aber Andreas erklärte mir, dass dies nicht nur auf die Amerikaner zu traf. Es machte ihn fertig, dass selbst andere Kollegen aus Deutschland mit technischem Unverständnis wucherten, bei Themen, bei denen er es nie für möglich hielt.
    So saß er vor seinem Glas »Blue Moon« und schwieg. Kölsch hatte es ja nicht an der Bar. Und ansonsten waren die angebotenen Biere bescheiden in ihrer Geschmacksrichtung.

    »Hey Andy, wie war dein Tag?«

    Sein Trinknachbar blieb beharrlich und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.
    Andreas schaute auf und blickte ihn mit müden Augen an. Zuerst vermutete ich, dass Andreas ein kölsches »Loss mich en Ruh« dem Amerikaner servieren würde. Aber er schaute ihn nur musternd an. Und dann erwiderte er:

    »Junge, heute ist Montag und ein Wochenende hatte ich nicht. Freitag bis jetzt ist für mich nur ein Tag.«
    »Was ist passiert? Erzähl.«

    Und Andreas erzählte. Er erzählte davon, dass ein französischer Lieferant in Mexiko Fehlteile produziert hatte. Es drohte der Anlauf einer Fahrzeugproduktion zu platzen. Der Automobilhersteller entschloss sich also neue halbfertige Teile vom Lieferanten aus Mexiko einfliegen zu lassen und sie dann in Andreas seiner Firma fertig zu produzieren.

    »Ich saß gerade bei meinem zweiten Feierabendbier, als das Telefon klingelte und ein großes Tier vom Hersteller am Telefon mich aufforderte, für ihn gegen gutes Geld zu helfen.«

    Andreas sollte zum Flughafen Detroits fahren, dort das Entladen der Ware aus den Flugzeugen auf LKWs mit überwachen und den Tross dann direkt zu seiner Firma geleiten. Er sollte sofort zum Flughafen kommen und alles in seiner Firma zur Weiterverarbeitung der Teile organisieren. Andreas fuhr zum Flughafen und instruierte unterdessen seine Firmenmitarbeiter, die sich auch bereits im Wochenende befanden.
    Am Flughafen hätte es eine Stunde gedauert, bis man ihn zu den Frachtfliegerbereich durchließ. Sicherheitsüberprüfungen und diverse Telefonate deswegen und um elf Uhr Nachts befand er sich dann auf dem Rollfeld und schaute der Entladung der Charter-Frachtmaschine und der Beladung der LKWs zu. Danach ging es dann in Kolonne zur Firma und es wurde Samstag, Sonntag bis Montags durchgearbeitet. Rechtzeitig am frühen Morgen waren die ersten Teile fertig und der drohende Bandstillstand der Fahrzeugproduktion war vermieden worden. Die letzten Teile waren knapp zwei Stunden zuvor abgeliefert worden. Und der Auftrag war beendet und sein Wochenende konnte beginnen. Oder besser gesagt, den Dienstag hatte er frei, aber er sollte weiterhin erreichbar bleiben.

    »Und wisst Ihr, was mich bei dieser Notfallaktion am meisten bleibenden Eindruck verschafft hatte?«
    »Erzähl.«

    Andreas holte kurz Luft und nahm noch einen Schluck.

    »Beim Beladen der LKWs war kein amerikanischer Zollbeamter oder Polizist zugegen. Nicht einer. Alle die vor Ort waren, stammten vom Automobilhersteller und wir verließen den Flughafen durch eine stark gesicherte Seitenausfahrt. Und kein einziger vom Zoll hielt uns auf. Niemand. Man öffnete uns unaufgefordert die Tore. Keiner vom Sicherheitspersonal oder so hatte sich angeschaut, was auf den LKWs verladen wurde. Ware aus Mexiko. Nicht mal einer von der Drogenfahndung. Und da habe ich es echt mit der Angst zu tun bekommen. Wenn eine große Firma so einen großen Einfluss hat, alle Sicherheitsvorschriften zu umgehen, dann muss sie wirklich eine Macht in den USA sein. Jeden anderen hätte man auseinander genommen und eingesperrt. Aber die sind in den Flughafen rein und raus, als ob es ihr ureigenstes Zuhause wäre. Das hat mir Angst gemacht. Was ist das für ein Land?«

    Über seine Augen lag der Schleier der Müdigkeit, aber während seiner Erzählung war sie spürbar, jene Angst.
    Wir schwiegen.
    Andreas trank aus, legte ein paar Scheine neben sein Glas und ging.

    »Boy, oh boy«, murmelte sein Trinknachbar.

    Ich lenkte meine Aufmerksamkeit auf einen der hinteren Bar-Monitore. Basketball. Dirk Nowitzki warf gerade für die Mavs einen perfekten Korb, nachdem ihm zuvor ein Rebound geglückt war. Er war sträflich unbewacht gelassen worden und kam frei zum Drei-Punkte-Wurf.

    The land of the free and the home of the brave.

  • Ertrage die Clowns (6): À tout de suite!

    Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

    "Ertrage die Clowns!"

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    Charlie Abdullah ist tot. "König" Charlie Abdullah. So viel Zeit muss sein.
    Die Legende besagt, dass dieser letzte großherzigste Herrscher vor Gram starb, weil sein 1.000 PS Bugatti wegen Sand im Getriebe nicht mehr ansprang.
    Charlie Wulf ging zu dessen Trauerfeier, weil Charlie Merkel und Charlie Gauck keine Zeit hatten. Charlie Abdullah soll es aber nicht bemerkt haben. Charlie Gabriel wäre auch ganz gerne dahin, aber irgendwie hatte er ein Date wegen Charlie Bachmann und Charlie Oertel und musste absagen. Charlie Obama, Charlie Cameroon und Charlie Hollande haben Charlie Abdullah gleich ihre Meinung verkündet und ihn über den grünen Klee gelobt. Wohlgemerkt "über", denn ihn unter den grünen Klee zu belobigen, das hätte er schon verdient gehabt. Allein schon dafür, dass er die Freiheit des Bloggens mit 1000 Peitschenhiebe auf den Blogger Raif Badawi (kein Charlie) unterstütze, und dem gestürzten und politisch verfolgten tunesischen Diktator Charlie Ben Ali ein saudisches Asyl-Refugium zugestand. Diese beiden Fakten waren es dann auch, warum Charlie Merkel dessen "Klugheit, Weitsicht und großem persönlichen Einsatz" [...] "für eine behutsame Modernisierung seines Landes" gepriesen hatte. Fast ähnlich hatte es Charlie Putin formuliert. Selbst UN-Generalsekretär Charlie Ban Ki Moon hat ihn posthum verbal geadelt. Haben eigentlich auch Charlie Netanjahu, Malis Präsident Charlie Keita, EU-Ratspräsident Charlie Tusk, Palästinenserpräsident Charlie Abbas und das Asterix-Imitat Charlie Sarkozy offiziell zitierbares zu dem Tod des Königs von sich gegeben?

    Hm. Je suis Charlie. Jedermann und in erster Reihe.

    Ernsthaft. Das war jetzt der kümmerliche Versuch einer Satire.
    Ich weiß, das ist verwerflich.
    Absolut verwerflich.
    Satire ist eine ernste Angelegenheit. Sehr ernst sogar. Da darf nicht über alles Satire gemacht und gelacht werden. Zumindest solange es nicht über die anderen ist. Das hat etwas von Kölner Sitzungskarneval, der momentan in seinen letzten vierzehntägigen Zügen liegt und sich abfeiert. Dort wird auch Satire und Humor vorgetragen. Das ist kein Spaß, sondern eine ernste Angelegenheit. Witze über andere und Minderheiten sind bei solchen Sitzungen in Ordnung, aber Witze über die eigenen Karnevalsleute geht gar nicht. Das wären dann Nestbeschmutzer. Vor dreißig Jahren entstand daraus die Kölner "Stunk"-Sitzung, der alternative Karneval. Damals. Aber "Stunk"-Organisatoren waren sich auch nicht ganz grüne. Einigen waren die Satiren des Jürgen Beckers nicht ausreichend satirekompatibel. Satire bleibt in diesem Lande eine ernsthafte Angelegenheit. Drum wird wohl auch ein Karnelvalswagen beim diesjährigen Kölner Rosenmontagszug von der Polizei bewacht.

    Je suis Charlie.

    Ach so, ganz nebenbei, jetzt kann ich es ja sagen und es klingt so opportunistisch und nichts-sagend: Je suis Charlie? Ich war's nie. Aber das sage ich auch nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Man kriegt ja gleich den Stempel des "Naivlings" aufgebrezelt, wenn man so etwas behauptet, ohne im nächsten Satz den Opfern der Barbarei zu kondolieren. Wohlgemerkt, jene Opfer der Barbarei von Paris. Von den anderen will ich hier mal gar nicht reden. Denn sonst müsste ich auch noch "Je suis Guantanamo" oder "Je suis Kriegsdrohne" auf meiner Stirn eingravieren lassen. Und will ich das? Will ich nicht. Ganz und gar nicht.
    So wie es halt alle Regierungschef-Charlies dieser Welt mit dem Tode von jenes Königs Charlie Abdullah hielten, welchem das Abzeichen "Je suis Diktator" ebenso gut gestanden hätte, wie seine Abberufungsurkunde von dessen Ämter, die ihm Freund Charlie Hain aushändigte. Sie hatten sich alle um den Button "Je suis ignorant intentionnellement" beworben ... .
    ...
    ...
    ...
    ...
    Und dann fällt mir noch immer eines ein:
    Die US-Vietnam-Veteranen könnten wohl ein wenig verstört gewesen sein, als ganz Frankreich und Europa sich individuell "Charlie" nannte. War doch "Charlie" der Codename des US-Militärs für Mitglieder des "Viet Cong" (VC; Victor Charlie). Und die ehemaligen Berlin-Truppen wegen "Checkpoint Charlie".
    Aber das ist nur in meiner Fantasie und auch nur am Rande.

  • TINDER oder: Eine Leidenschaft ohne Reue

    Romantik
    Ihre Hand hielt das Smartphone ans Ohr. Es klingelte am anderen Ende. Ihre Vorderzähne bearbeiteten die Unterlippe und ihr Blick ging recht ungeduldig im Zimmer umher. Ihr Fuß wippte ohne Unterlass, während sie auf der Sofakante hockte. Unwirsch fuhr sie sich mit der anderen Hand durch ihr Haar, als es in der Leitung in ihren Smartphone klackte:
    "Alles klar, Tina?"
    Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang erregt, aufgeregt:
    "Ist was passiert Tina? Nun, sag doch was!"
    Tinas rechte Hand suchte weiterhin noch ihren Weg durchs Haar, um dann schützend vor ihren Mund zu landen.
    "Es ist alles okay. Nichts passiert."
    "Wirklich nichts? Was geht ab? Warum rufst Du an?"
    "Es ist alles okay."
    Tina hatte den letzten Satz nur zögerlich flüstert und wieder fuhr sie sich mit ihrer Hand nervös durchs Haar, erwischte ein Strähne und zwirbelte sie wie zuvor hastig um ihren Zeigefinger.
    "Jetzt lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, Tina! Was ist passiert? Wie ist das Date gelaufen? Schon zu Ende?"
    Tina schluckte und atmete kurz tief durch.
    "Nichts ist passiert. Gar nichts."
    "Wie nichts? Was meinst Du damit?"
    "Nichts, überhaupt nichts, gar nichts, null, nada, niente.“
    Tinas Stimme brach ein wenig, als sie die letzten Worte aussprach.
    "Kein Sex?"
    "No."
    "Was?"
    "Ja."
    Eine Pause entstand. Stille schien sich kurz in der Leitung Raum zu verschaffen.
    "Kein Sex? Ist er impotent?"
    "Anke, der sitzt im Bad und hat sich dort eingeschlossen!"
    "Was?"
    Anke atmete hörbar am anderen Ende der Leitung tief durch, während Tina leise aufschluchzte.
    "Der ist in Bad und hat sich eingeschlossen?"
    „Was soll ich machen, Anke? Ich habe doch nichts unrechtes gemacht. Ich wollte doch nur Leidenschaft
    ohne Reue."
    "Und jetzt hockt deine Leidenschaft eingeschlossen im Bad?"
    "Ja."
    "Ich hatte Dir schon immer gesagt, lass die Finger weg von Online-Dating. Da holst du dir nur Psychopathen ins Haus."
    "Danke, Anke."
    Stille. Tina hatte von ihrem Wohnzimmer aus die Badezimmertür im Blickfeld. Es hatte sich nichts geändert. Sie wusste nicht, was der Typ da drin jetzt machte, sie wusste lediglich, dass er dort drinnen war. Und sie wusste, dass sie ratlos auf ihrem Sofa saß, während aus ihrem Schlafzimmer gedämpft ihre Kuschelmusik lief. Sie hatte alles perfekt vorbereitet, aber jetzt war er noch immer in ihrem Badezimmer und hatte sich eingeschlossen.
    "Tina, tschuldige, ich hab's nicht so gemeint. Wie ist es denn passiert?'
    Tina musterte die Badezimmertür und erklärte die Situation flüsternd:
    "Wie ich Dir ja gestern schon erklärte. Er sollte in meiner Straße parken, kurz durchklingeln und dann ne Minute später anschellen. Das hat er auch getan. Er rief an, ich hab den Espresso in die Tasse laufen lassen, und die Tasse zu der Banane und den Müsliriegel ins Bad gestellt. Schnell die Kerze angezündet und dann rüber und den Türöffner betätigt."
    "Und dann?"
    "Er kam rein und ging direkt ins Bad, während ich mit Negligé im Bett auf ihn wartete.“
    "In dem alten Pötter, denn dir dein Ex letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte?"
    "Den doch nicht! Anke, was denkst du. Der ist doch schon längst in der Altkleidertonne."
    "Na, Gott sei Dank."
    "Ne halbe Stunde lag ich da so, aber außer der Klospülung hab ich nichts mehr gehört."
    "Hast Du mal angeklopft? Vielleicht ist ihm was passiert, da drinne."
    "Hab ich."
    "Und?"
    "Er meinte, es sei alles in Ordnung."
    "Und?'
    "Mehr nicht."
    "Mehr nicht?"
    "Mehr nicht."
    "Seltsam ... . Da Kommt ein Mann, um Sex zu haben, schließt sich aber im Bad ein?"
    "Wir hatten doch bereits vorher telefoniert und uns Nachrichten geschickt und alles schien in Ordnung."
    "Hast Du ihn verschreckt! Vielleicht kommt er auch nicht mit der selbstbestimmten Sexualität einer Frau zurecht?"
    "Ich will doch nichts Unmenschliches von dem. Nun leidenschaftliches. Ich wollt mir doch nur ne alte Fantasie erfüllen. Einmal einen Mann nur im Bett kennenlernen und ihn genießen."
    "Und jetzt ist deine TINDER-Bekanntschaft im Bad und kommt nicht raus. Was macht er da drin? Holt der sich einen runter, oder was?"
    "Ich weiß es nicht, Anke."
    "Dann klopf noch mal."
    Tina zögerte, aber dann stand sie auf, ging zur Badezimmertür und klopfte:
    "Ist alles in Ordnung?"
    Es kam keine Reaktion. Sie klopfte erneut, energisch
    "Alles in Ordnung?"
    "Es ist alles in Ordnung", kam als Antwort.
    Seine Stimme klang klar und deutlich, sachlich. Eigentlich so, wie Tina seine Stimme vom Telefon her in Erinnerung hatte. Sie ging wieder zurück zu ihrem Wohnzimmersofa und flüsterte in ihr Smartphone:
    "Hast Du gehört? Mehr sagt er nicht."
    "Warum fragst Du nicht, was er hat, Tina? Der warst schließlich mutig genug, ihn zu Dir einzuladen, also sei mutig und frag ihn."
    "Anke, ich hatte ihn nicht zum Quatschen zu mir eingeladen. Ich wollte doch nun mal wieder fremde Haut spüren, Hände, die mich liebkosen, Arme, die mich halten, Lippen, die mich küssen ..."
    "Und einen, Du-weißt-schon-was, der richtig zustößt, ich weiß, aber wenn Du nichts unternimmst, dann wird es nie etwas werden."
    Tina überlegte. Über TINDER hatte sie ihn kennengelernt, mit ihm geschattet, dann mit ihm telefoniert. Sie hatten vereinbart, er käme vorbei, ließe sich von ihr führen und würde ihre Vorlieben respektieren und befriedigen.
    Kurzentschlossen stand sie auf und ging erneut zur Badezimmertür und klopfte an:
    "Ist irgendetwas, weswegen du nicht rauskommen magst?"
    "Nein, alles in Ordnung."
    "Echt?"
    "Ja."
    "Soll ich dir was bringen? Kaffee?"
    "Habe ich gefunden hier im Bad."
    "Was zu essen?"
    "Danke für die Banane und den Müsliriegel. Ich bin satt."
    "Oder etwas anderes zu trinken?"
    "Es hat hier ausreichend Wasser."
    "Ich habe hier eisgekühlte Kola. Oder auch Kaffeesahnelikör."
    "Nein, danke."
    "Der Likör schmeckt Eins A. Ich kann dir einen Likörkuss geben. Du wirst abgehen darauf."
    "Ich geh hier nicht raus."
    "Warum?"
    "Ich bleib hier."
    "Hast Du Angst?"
    "Nein."
    "Warum magst Du dann nicht rauskommen. Ich beiße auch nicht."
    "Nein."
    "Nein was?"
    "Nein, ich geh hier nicht raus."
    "Ich habe auch kaltes Bier für dich."
    "Ich geh' hier nicht raus."
    "Aber ein Gläschen Prosecco wirst Du doch wohl mit mir trinken, oder?"
    Tina lauschte angestrengt, aber jetzt blieb er ihr die Antwort schuldig. Es drang kein Laut durch die Badezimmertür.
    Zaghaft fragte sie nach:
    "Bist Du vielleicht etwas nervös?"
    Wieder keine Antwort.
    "Ehrlich, Frank, ich bin auch nervös. Aufgeregt. Aber das ist doch normal, oder etwa nicht? Da ist doch kein Grund, sich einzuschließen."
    Sie lauschte, aber Frank schien sich im Badezimmer nicht zu rühren. Sie legte kurz ihr Ohr an die Tür. Aber sie konnte nichts hören.
    "Frank. Du musst keine Angst vor mir haben. Ich tu Dir nichts böses. Eher in Gegenteil. Wir wollen es doch beide."
    "Nein."
    "Was Nein?"
    "Du, du willst es."
    "Was?"
    "War ja klar, dass du mir jetzt mit schönen Worten schmeichelst und mich dabei so anmachst."
    "Ich versteh nicht."
    "Du wolltest mich also tatsächlich nur flach legen. Nur Sex, nur meinen Körper und nichts, gar nichts anderes."
    "Wie?!"
    "Du willst mich nur benutzen und auslaugen."
    "Ich will was?"
    "Dass immer mir das passiert, das gibt es doch gar nicht."
    "Wie?"
    "Ich werde es überleben, irgendwie."
    "Was?"
    Mit der flachen Hand schlug Tina ungläubig auf die Badezimmertür. Sie war sprachlos. Verwirrt ging sie zum Wohnzimmer zurück und bemerkte das Smartphone in ihrer Hand. Hastig hielt sie es an ihn Ohr und flüsterte:
    "Hast Du das gehört?"
    "Hab' ich. Du musst ja einen tollen Eindruck auf ihn gemacht haben."
    "Ach ja? Danke, Anke!"
    "Bitte, Titte, äh, Tina. Aber seh es doch mal nüchtern: der Mann hat Komplexe. Wie alle Männer."
    "Ich verstehe das nicht. Zuvor hatte er auch gesagt, er wäre geil auf Sex mit mir. Einfach Haut auf Haut, Körper auf Körper. Jedem seinen Spaß und gemeinsam zusammen noch mehr."
    "Keine Ahnung, was mit den Männern heutzutage los ist. Früher brauchte man nur den Arm auszustrecken und hatte ein halbes Dutzend Hochnotgeile an jeder Hand und konnte sich den Wehrten aussuchen ..."
    "... und jetzt habe ich ein verhuschtes Exemplar im Bad. Wie krieg ich den da wieder raus?"
    "Frag ihn, ob er Fußball mag."
    "Wieso?"
    "Es läuft gerade das Länderspiel. Männer sind ja alle fußballgeil."
    Tina stand kurz auf und rief zur Badezimmertür:
    "Magst du vielleicht Fußball schauen? Deutschland spielt."
    Sie lauscht intensiv. Keine Reaktion. Nicht das kleinste Geräusch.
    Sie schaltete den Fernseher ein und regelte die Lautstärke etwas hoch. Das Spiel lief bereits. Rechts oben entzifferte sie mühsam, dass es kurz vor Ende der ersten Halbzeit noch immer nullnull stand. Sie schlich zum Badezimmer und lauschte. Keinerlei Geräusche. Als ob das Bad leer wäre. Sie ging wieder zurück in ihr Wohnzimmer und flüsterte wieder in ihr Smartphone:
    "Ich hab jetzt Fußball angeschaltet. Aber er rührt sich nicht."
    "Warte ein wenig. Mit Speck fängst du Mäuse, mit Fußball echte Kerle."
    Tina antwortete nichts. Das Smartphone am Ohr verfolgte sie das Spiel. Es war ein Ballgeschiebe um den Mittelkreis herum. Der Reporter nölte etwas von einem hoch-strategischen Spiel und erzählte planlos aus dem Leben des deutschen Torhüters. Und bevor der Reporter überhaupt mit seiner ersten Anekdote fertig war, pfiff der Schiedsrichter zur Pause.
    "Und, Tina?"
    Tina blickte zum Badezimmer.
    "Immer noch nichts, Anke."
    Als Pausenprogramm wurde Werbung gesendet. Tina schaltete auf einen anderen Kanal.

    "… 'Dieter, Dieter!' 'Oh, Claudia!' 'Oh, Dieter, ich bin ja so glücklich!''Claudia, ich bin so froh dich gefunden zu haben!' 'Oh, Dieter!' ..."

    Tina blendete den Bildschirmtext ein. Ein Liebesfilm nach Ideen von Rosamunde Pilcher wurde offensichtlich übertragen. Das Liebespaar küsste sich innig, Geigen im Hintergrund und blauer Himmel untermalten die Szene. Beide lächelten breit und blickten sich tief in die Augen. Zuckersüß. Tina wollte umschalten, aber sie erwischte den richtigen Knopf auf der Fernbedienung nicht. Stattdessen erhöhte sie die Lautstärke.

    " ... 'Oh, Dieter!' 'Oh, Claudia!' 'Wollen wir heiraten?' 'Wir müssen aber erst Mutter fragen, Claudia.' 'Heute noch?' ''Gleich.' 'Ach, Dieter, du machst mich so glücklich.' ..."
    Ein Orchester setzte ein, eine einzelne Geige heulte herzzerreißend...

    In dem Augenblick klackte es vom Badezimmer her. Tina zuckte zusammen und sah die Tür sich nach außen hin öffnen. Die offene Tür versperrte ihr die Sicht, aber sie sah ihn noch, in seinem sandfarbenen Anzug, hochaufgewachsen, stattlich, aber hastig, wie er zur Eingangstür entschwand. Sie hörte das Öffnen und danach die Tür ins Schloss fallen.
    Tina stellte den Fernseher ab und ging zum Bad.
    "Anke, ich glaube, er hat das Bad verlassen."
    Das Bad war leer. Im Waschbecken stand die leere Tasse Espresso, daneben lagen die Bananenschale und die Verpackung des Müsliriegels.
    "Er ist weg."
    In Tinas Stimme schwang Enttäuschung mit.
    "Sei froh, Tina, dass es so gekommen ist. Wer weiß, was der sonst noch mit dir angestellt hätte."
    Tina beendete die Verbindung wortlos. Sie starrte noch immer auf das Waschbecken und die Reste darin.
    Was er mit ihr angestellt hätte ... ja, wenn er doch wenigstens...
    Ankes Worte hallten in ihr nach.
    Ich wollte doch bloß mal wieder Leidenschaft ohne Reue, waren ihre Gedanken.
    Sie strich über ihre Haare, seufzte, trug die Überreste in die Küche und ging in ihr Schlafzimmer. Sie starrte auf die bereit gelegten Kondome auf der Nachttischkommode und wieder entfuhr ihr ein Seufzen.
    Leidenschaft ohne Reue.
    Die Einladung an ihn reute sie nicht. Der Typ war eigentlich richtig, nur wohl ein wenig schüchtern. Und die notwendige Leidenschaft fehlte.
    So nah dran, dachte sie, als sie sich auf Bett legte, das Kissen zu sich hinzog, umklammerte und auf ihren Unterleib drückte.
    So nah dran.

  • Was ist Zeit? Wird alles anders?

    Du kommst nach Hause,
    legst deine Füsse hoch,
    schüttest dir ein Glas Chardonnay ein
    und sinnierst darüber nach,
    was an diesem Tag geschehen war,
    warum es gelaufen ist, wie es lief,
    warum Traum und Realität ein Abgrund trennt,
    öffnest die Augen und stellst irritiert fest,
    dass du dir kein Wein, aber schales Bier eingeschenkt hattest,
    schaust in die Firmen-Emails und grübelst,
    denkst an den vergangenen Tag,
    daran, was sich geändert hat,
    daran, was das Leben macht,
    daran, was du lebendig geändert haben möchtest.
    Und dann summst du das kleine feine Lied ...

    Ja ich weiß es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit du fehlst hier ...

    http://www.youtube.com/watch?v=pe-awQ3hur0

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