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  • Blick ins Tiefkuehlfach

    Zustand Mitte September 2014 ...
    Cooldown

  • In der Blüte des Lebens

    Ihr Mimosen der Welt!
    Schaut auf diese Blüte und erkennt, dass unterhalb
    dieser Blüte Ihr Mimosen eklig scharfe Stacheln habt!

    Blüte einer Mimose

  • Die Satire-Polizei

    "Sie verkennen den Ernst der Lage, mein Lieber!"
    Seine Worte waren von ihm langsam und bedächtig ausgesprochen worden. Mit einer Geste winkte er seinen Begleiter heran.
    "Ich bezweifle, dass die Lage überhaupt Ernst verdient hat. Sie ist eher lachhaft", entgegnete ich und versuchte ebenfalls Ruhe in meiner Sprache zu bringen.
    "Sie sollten vorsichtig mit Ihrer Einschätzung sein. Es gibt viele Leute, welche die Lage sorgt."
    Sein Begleiter stand jetzt hinter ihm. Sein Blick fixierte mich wie ein Gerichtsdiener einen Verbrecher beobachtet. Ich war mir meiner Einstellung sicher, aber der Mann und sein Begleiter waren aus einem anderen Holz geschnitzt als die, die zuvor mit mir in Kontakt getreten waren.
    "Warum habe ich den Eindruck, dass Ihnen die Sorgen anderer Freude bereiten?"
    "Das Wort 'Freude', mein Lieber, ist deplatziert. Eine solche Lage ist nie eine 'Freude'."
    "Aber Sie schüren mit Begeisterung Angst."
    "Ich schüre keine Angst. Ich versuche lediglich, die Situation stabil zu halten."
    "Sie malen den Teufel an die Wand und nähren Angst, dass der Teufel mächtiger sei als alles andere."
    Sein Blick musterte mich abwägend.
    "Nennen Sie es, wie Sie es wollen, aber akzeptieren Sie die Notwendigkeit des Ernstes ... ."
    "... der Lage, ich weiß."
    Meine Ungeduld hatte mich ihm ins Wort fallen lassen. Und ich wollte der kurz entstandenen Gesprächspause keinen weiteren Raum gewähren:
    "Sie haben Angst vor dem Lachen der Menschen. ..."
    "Das Lachen ist ein Zeichen der Beschränktheit des Menschen ..."
    "Das Lachen ist ein Zeichen, dass Angst besiegt wurde, und dass Schreckensbilder keine Macht mehr über den Menschen haben. Ein lebensnotwendiges Ventil, Widersprüche wegzulachen"
    "Ein Mensch, der sich von einer Angst befreit, ist ein unkontrollierbarer Mensch."
    "Ihr Leitbild ist der kontrollierte Mensch?"
    "Was für das Individuum hin und wieder eine Wohltat sein kann, ist für die Massen eine Geißel, die durch so etwas in Anarchie abzugleiten droht."
    "Es ist nichts Schlechtes dabei, wenn die Ernsthaftigkeit der Gegner durch Lachen zersetzt wird."
    "Das Lachen ist ein Zeichen für einer niedrig entwickelten Gesellschaft, die es verdient, dass dessen Freiheit eingegrenzt wird. Sie muss durch einen Ernst erniedrigt und eingeschüchtert werden. Durch einen heiligen Ernst, der selbst den Tod zum erfürchtigen Ziel werden lässt."
    "Ich verstehe. Und wer sich diesem mit Lachen widersetzt, für den wird der Tod lachhaft. Der nimmt sogar dem Tod seinen Schrecken."
    "Eine lachende Armee hat noch nie einen Krieg gewonnen!"
    "Eine lachende Armee ist ein Widerspruch in sich. Sie würde noch nicht mal das Töten im Krieg ernst nehmen."
    "Ein Spotten und ein Verlachen hat noch nie einen Wert geschaffen!"
    "Lachen heilt Menschen."
    "Wozu soll das ein Wert sein? Der Mensch wird geboren, um zu sterben. Der Tod lässt sich nicht weglachen. Und Epidemien lassen sich nur mit nötigem Ernst aufhalten. Lachen wird es nie schaffen."
    "Lachen ist aber das kleinere Übel, ein Leben zu verbringen. Über das Übel zu lachen, macht es erträglicher, statt es nur ernst zu nehmen."
    "Ein kleineres Übel? Ihnen fehlt der notwendige Respekt vor dem, was anderen heilig ist. Das Lächerlichmachen ist keine Kunst, sondern nur zerstörend und gesellschaftzersetzend."
    "Das Lächerlichmachen, welches Sie meinen, hat auch nichts mit dem Lachen zu tun. Ihre Definition dazu soll nur Angst erzeugen. Angst vor der schneidenden Waffe des Lachens, welches die einengenden Stricke der Angst zerschneidet und den Menschen davon befreit."
    "Sie sollten sich reden hören! Einfach unsinnig. Lachen ist kein Reinigungsmittel, welches den Menschen von seinen Mängeln und Lastern und Schwächen erlöst!"
    "Sie kann aber dem Menschen dabei helfen. Lachen erhebt den Menschen über seine Unperfektheit und lässt jene leichter schultern."
    "Sie haben es nicht kapiert. Der lachende Mensch fühlt sich als Herr, als Umstürzer von Herrschaftsverhältnissen, der Anarchist und Bilderstürmer, der die Ordnung stört und Gemeinschaft zerstört. Und Ihre Satire-Versuche, mein Lieber, Ihre lächerlichen Satire-Versuche sind so dermaßen schlecht, dass wir anfangs erst gar nicht in Erwägung gezogen haben, Sie Ernst zu nehmen."
    Seine Stimme war scharf und schneidend geworden. Sie erzeugte in mir eine Beklemmung, eine unbestimmte Angst. Sie verwirrte mich.
    Ich atmete tief durch und bemerkte, dass er das Spiel der Angst mit mir zu spielen versuchte.
    "Nein, mein Herr, das klappt nicht", lachte ich auf, "darauf falle ich nicht rein!"
    "Das ist ohne Bedeutung, mein Lieber. Ohne jegliche Bedeutung. Denn mit ihrer letzten Veröffentlichung haben Sie die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Den Ernst vorsätzlich ignoriert. Das Wichtige versucht, ins Lächerliche zu ziehen. Ernsthafte Menschen mit heiligen Idealen einer Gesellschaft, dem Lächerlichkeit preis zu geben."
    "Heilige Ideale einer Gesellschaft? Sie heben so etwas in die Höhe, um andere dafür leichter als Niedere abgrenzen zu können?"
    "Ideale sind immer hoch. Und eine Gesellschaft sollte Angst darum haben, die Entfernung dazu zu vergrößern!"
    "Das ist keine Höhe. Das ist lediglich eine Fallhöhe."
    "Nenne Sie es, wie sie es wollen. Sie haben mit Ihrer Satire an den Stützpfeilern dieser Ideale gesägt. Und das konnten wir nicht mehr ignorieren."
    Er gab seinem Begleiter mit seiner Hand ein Zeichen. Seine Begleitung öffnete seine Tasche, entnahm Handschellen und Stricke und trat einen Schritt auf mich zu.
    "Ich hatte mich geirrt! Sie haben keine hohen Ideale. Sie müssen die der anderen erheblich tiefer legen, damit ihre als höhere erscheinen. Sie sind einer lachhaften Satire-Sharia-Polizei. Sie sind Befürworter des Ernstes, der Lustfreiheit, Gegner jeglicher hedonistischen Regung, Verwalter eines eigenen humorbefreiten Sumpfes! Bei Ihnen hat das 'tieferlegen' System. Nur, in Ihrem Sumpf bedeutet 'tieferlegen', dass Sie den anderen dabei ertränken. Ich lache über Sie."
    Mein Lachen erstickte auf halbem Wege, als der Begleiter Hand an mir anlegte. Ich spürte die Angst, konnte sie nicht mehr weglachen. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, jetzt etwas zu versuchen, was ich nie intensiv gelernt hatte: Lachen als Bekämpfungsmethode der eigenen Angst.
    Der Mann beugte sich vor und schaute mir direkt in meine Augen, während sein Begleiter mich mit den Handschellen fixierte und mir mit den Stricken um meinen Körper die Luft abschnürte.
    "Sehen Sie, mein Lieber, Sie haben Angst. Ihr Lachen hilft Ihnen nicht aus ihrer Situation, Ihr Lachen ist dabei zu sterben. Es ist Ihre eigene Schuld, es hätte nicht soweit kommen müssen. Sie hätten den Ernst der Lage anerkennen sollen, statt zu versuchen, sich mit einer dümmlichen Satire zu profilieren."
    Meine Lunge war von den Stricken eingepresst, das Atmen fiel mir schwer und schwerer, ich hörte ein Rauschen in meinen Ohren, mein Gegenüber wurde schwammig, ich konnte ihn nicht mehr scharf sehen, es wurde immer dunkler.
    Und mit einem Mal spürte ich den Schmerz nicht mehr.
    Unvermittelt ging mir ein Spruch noch durch den Kopf:

    "In diesem Theater sind alle Notausgänge verrammelt und abgeschlossen. Im Notfall brauchen Sie somit keine Panik bekommen. Lohnt nicht."

    Ich musste lachen. Innerlich. Ohne Angst und Panik. Mein Kopf wurde schwer.
    Alles wird gut ...

  • Würfelfreies Duschen mit Wasser

    Ich wurde von Fremdscham durch Franz-Kevin Brezner (http://www.youtube.com/watch?v=w0GPyN88_dc) zur #NPSWarmduscherChallenge nominiert. Diese Challenge soll der narzisstischen Persönlichkeitsstörung als dem leider vorwiegenden Hintergrund des Phänomens #ALSIceBucketChallenge Aufmerksamkeit zukommen lassen.
    Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist ein ernstes Thema mit oft sehr belastender Symptomatik für Betroffene und deren Umfeld. Soziale Netzwerke sind als Selbstdarstellungsplattform der ideale Dünger und Katalysator für die Entwicklung bzw. Manifestation des Störungsbildes.
    Mehr zur NPS unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeitsstörung#Narzisstische_Pers.C3.B6nlichkeitsst.C3.B6rung

    Und jetzt kommt es:
    Ich selbst nominiere Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser!!
    Es heißt für Sie nun:
    Innerhalb von 24h warm duschen oder spenden.
    Spenden? Ja! Und zwar Samen für eine neue, wirklich selbstsichere Generation von Menschen, deren Selbstwertgefühl nicht von der ständigen Bestätigung durch andere abhängig ist.

    Hier mein Beitrag für die #NPSWarmduscherChallenge:
    http://www.youtube.com/watch?v=2R6P4Hmo0es

  • Kriegsgetrommel

    Am 30. August lief die folgende Meldung über die Nachrichtenagenturen:

    Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite sieht Russland "praktisch im Krieg gegen Europa".

    Die Medien verbreiteten diese Nachricht und widersprachen dem nicht sehr heftig.
    Für alle war diese Nachricht opportun. Ein nachdrückliches Dementi dieser fatalen Ansicht erfolgte bis heute nicht.
    Stattdessen die Meldung, dass England eine Eingreiftruppe für die Ukraine zusammenstelle ...

    Dazu an dieser Stelle das Video zu dem Lied "Krieg" von Rio Reiser:
    http://vimeo.com/51282155

  • Lebenszeichen

    "Belebe mich!"

    Mich beschlich das Gefühl, als ob er mich traurig anschauen würde.
    So einsam lag er vor mir. Alleingelassen. Vertrocknet klebte noch die Tinte an seiner Spitze.
    Ich ergriff mir ein weißes Blatt Papier, schob es in den Drucker und drückte auf "DRUCKEN".

    "Belebe mich!"

    Ich blickte auf ihn herab. Ja, da lag er nun.

    "Belebe mich!"

    Nein. Ich würde es nicht tun und fühlte eine Gänsehaut an meinem Rücken hochklettern ob alter Erinnerungen.
    Ich ergriff ihn und legte ihn wieder in die alte Schachtel, zurück zu all den anderen Erinnerungsstücken einer vergangenen Zeit.
    Es ging einfach nicht. Es fehlte etwas entscheidendes.
    Die Patronen.

    Ein letzter Blick auf meinen alten Schulfüller, dann verschloss ich die Schachtel.

  • Gedanken am Rande der Bedeutungslosigkeit

    Ja, ich schreibe noch in meinem Blog Einträge für geneigte Interessierte.
    Nein, ich bin nicht weg und lebe auf der Insel der Glückseeligen.
    Ja, ich analysiere das nächste Thema für meinen Blogeintrag.
    Nein, ich will nicht Dutzenden Eulen nach Athen tragen.
    Ja, ich bin in einer individuellen Schaffenskrise.
    Nein, ich bin nicht die Schaffenskrise.
    Ja, ich bin es trotzdem doch noch.
    Nein, ich bin es nicht.
    Ja, ich bin es.
    Nein, ich bin.
    Ja, ich.
    Nein.

    Hm. Es wird mal wieder Zeit, dass ich eine Fallhöhe für mich und meiner Schreibe schaffe, an deren meine schlechten Blogeinträge gemessen werden können. Und so schreib ich auf meiner mit Zitronensaft gesäuberten Erstklässler-Schultafel mit quietschender Kreide ein
    "YES I CAN"
    und hoffe, dass das suggestiv genug sein wird.
    Für mich.
    Nicht für Euch.
    Aber für Euch.
    Zum Belustigen.

    Ich lebe noch.
    Aber ein wenig schreibfaul ...

  • Der Fehlanruf

    »Mein Smartphone hat verrückt gespielt.«
    So ganz wohl war mir nicht, als ich den Text in das Feld für SMS-Nachrichten eintippte.

    Bluetooth ist eine wunderbare Sache. Im Mietfahrzeug ersparte es mir ein Kabel und darüber hinaus auch das regionale Musikprogramm der bayrischen Sender. Ich hatte das Fahrzeug mit meinem Smartphone gekoppelt gehabt und als ich das Mietfahrzeug ausgeschaltet und abgeschlossen hatte, war ich der Meinung, dass die Verbindung zwischen meinem Smartphone und der Fahrzeugelektronik ebenfalls gekappt worden wäre. Von irgendwoher vernahm ich das Rufzeichen eines Anrufs. Belustigt schaute ich zurück, um festzustellen, wer denn da mit seiner Fahrzeugfreisprecheinrichtung so laut telefonieren würde. Es kam aus meinem Mietfahrzeug. Neugierig schaute ich nochmals ins Fahrzeug und mein Blick fiel aufs Display. Dort war ein Name angezeigt, den ich kannte. Mir wurde umgehend klar, was das nur bedeuten konnte. Mein Griff zum Smartphone in meiner Jackentasche und die darauf folgenden Wischbewegungen erfolgten in aufgeregter Hektik. Letztendlich konnte ich den Anruf erfolgreich beenden. Dafür rief der Angerufene mich dann zurück. Nur, beantworten konnte ich den Anruf nicht, denn mein Smartphone spielte nicht mit und legte einen Neustart hin. Der klassischer Softwareabsturz.

    »Mein Smartphone hat verrückt gespielt.« Mein Satz - dem Angerufenen per SMS zugeschickt - erschien mir eigentümlich schizophren. Weder kann mein Smartphone »spielen« noch hat es ein Bewusstsein, welches als »verrückt« bezeichnet werden kann. Dass nebenbei auch noch die Software des Mietfahrzeugs dem elektronischen Ausschalter nicht Folge leistete, … »Folge leisten«. Wieder so ein Ausdruck, der der seelenlosen Technik Leben einhaucht.
    »Mein Smartphone macht auch, was es will«, erhielt ich als Replik auf meine verschickte SMS.

    In frühen Jahren hatte ich einen Schachcomputer. Auf Stufe 1 hatte ich regelmäßig gegen das elektronische Schachhirn gewonnen: Schachmatt in fünf Zügen. Wiederholbar. Immer wieder. Er lernte nichts dazu. Nur ab Stufe 5 zickte der Schachcomputer herum und lies mich jedes Mal verlieren. Wiederholt. Immer wieder. Da konnte ich machen, was ich wollte. Geschimpft hatte ich. Gezetert, wenn er mich bis zum letzten Zug ausgerechnet hatte. Fluchend drückte ich auf seine schmale Tastatur wütend herum, wenn er mir meine Beschränktheit aufzeigte. Auf all meine Bitten, all mein Flehen und all mein Verfluchen reagiert er mit berechnender Kühle, die im eindeutigen Widerspruch zur Wärmeleistung im Bereich seiner Stromversorgung stand. Viel hatte ich mit ihm geredet, aber genutzt hatte es überhaupt nicht.

    Oder mein Kassettenrekorder. Ich hatte der Radiosendung - einer Live-Übertragung - entgegen gefiebert. Die Sendung begann und ich startete die Aufnahme. Als etwas später nach dem Drücken der Aufnahme-Taste eben diese mit einem trockenen Knacken aus der Verrastung heraus sprang, fand meine intensive Zwiesprache mit dem Gerät statt. Ich öffnete das Kassettenfach und sah von der Kassette das braune Band in das Laufwerk hinein- und herausragen. Ein paar überhastete Handgriffe von mir später - begleitet von diversen Flüchen und Fragen an meinen Kassettenrekorder - hielt ich zwei zerknitterte schmale Bandenden in der Hand und ich fragte den Kassettenrekorder entrüstet, warum er gerade dann das macht, was ich nicht wollte, wenn ich es überhaupt nicht gebrauchen konnte. Der Rekorder reagierte auf meine Anwürfe nicht, obwohl ich der unbeugsamen Meinung war, er müsste mir Rede und Antwort stehen.

    »Mein Smartphone macht auch, was es will.« Ich schaute auf das meine und fragte mich, warum ich nicht einfach anriefe. Nur, über was reden? Über ungehorsame Smartphone? So von Smartphone-Besitzer zu Smartphone-Besitzer? Dass Technik einfach nicht gehorchen will? Seinen eigenen Willen dessen Besitzer aufzwingt?
    Das Display schaltete sich ab, wurde schwarz. Im Glas des Display erblickte ich ein Gesicht, ein ziemlich ratloses Gesicht umgeben von der Schwärze des reflektierenden Glases. Wenn schwarz die Abwesenheit von Licht ist, so fragte ich mich, wie konnte dann das Glas Schwärze reflektieren. Ein ziemlich abstruser Gedanke. Ich drehte das Display nach unten, das Gesicht verschwand und ich verstaute mein Smartphone wieder in meine Jackentasche.
    Später, vor dem Schlafengehen kontrollierte ich, ob es nicht wieder eigenwillig Telefonverbindungen aufgebaut hatte. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich kontrollierte und entdeckte nichts außergewöhnliches. Ein weiterer abgehender Anruf von mir war nicht im Telefonprotokoll registriert.

    Mein Smartphone läuft auf Android-Basis. Es ist nur ein technisches Gerät. Technische Geräte spielen nicht. Sie haben kein verrücktes Bewußt-Sein. »Mein Smartphone hat verrückt gespielt«, war eine opportune Ausrede über diesen unerwarteten Zufall.
    In der folgenden Nacht hatte ich das Smartphone abgeschaltet. Rein zur eigenen Sicherheit. Solch ein Zufall sollte sich nicht wiederholen und dabei eventuell mein Schnarchen in die ganze Welt raus telefonieren.
    Abgeschaltet. Das Android-Betriebssystem meines Smartphones im Energie-Sparmodus. Sozusagen der Schlafmodus.
    Oder doch nicht? Die Akkuanzeige am Morgen danach war erheblich geringer als am Abend zuvor, nachdem ich das Smartphone aufgeweckt hatte. Zufallsanrufe waren nicht verzeichnet. Als das Display nach meiner Überprüfung wieder schwarz wurde, sah mich erneut das Gesicht vom Vortag fragend an. Ich wusste, um welche Frage es sich handelte. Es war der Titel einer Kurzgeschichte, jene von Philip K. Dick: »Do Androids Dream of Electric Sheep?«

    Der Zufall hat kein Gedächtnis. Und Smartphones träumen nicht.
    Alles andere ist Ausrede.

  • Vom schnellen Reichtum komplett überrascht

    So, meine Lieben, es ist vollendet. Mein Sargdeckel wird definitiv golden sein. Denn soviel, wie ich jetzt bald haben werde, kann ich einfach nicht ausgeben.
    Lindsay schrieb mir.
    Ihr kennt Lindsay nicht? Da seht ihr es mal wieder. Ich bin auf der Sonnenseite des Lebens und nicht im Schatten der Tür von Dagobert Ducks Geldspeicher. Lindsay Rogers meine ich und sie schrieb mir heute folgende Email:

    Von: "Rogers, Lindsay" lindsay. rogers ( ) ubc. ca
    Datum/Uhrzeit: 24.01.2014 / 09:50(Empfang)
    Betreff: Antworten für Details

    Es tut mir leid, um Ihre Privatsphäre auf diese Weise stören. Es gibt eine gewisse verstorbenen Kunden von meiner Bank, die hinter US $ 18 Millionen übrig. Ich suche Ihre Partnerschaft in Empfang dieses Fonds. Wenn Sie interessiert sind, sofort zu antworten für detaillierte Informationen.

    Danke,

    S.L

    Schon klar, Lindsay arbeitet wohl in der kannadischen Niederlassung der "Union Bank of California". Richtig gelesen. Kalifornien. Kennt jeder. Liegt direkt bei Hollywood, da wo alle Reichen und Schönen leben. Demnächst auch ich. Ätsch.
    Lindsay ist schon verdammt raffiniert, sie kürzt ihren Namen voll diskret mit "S.L" ab. Klar, sie will ja nicht wie Snowden enden. Ein wenig die NSA nasführen muss schon sein, nicht wahr? Aber ich hab die Finte sofort erkannt, Lindsay Rogers, du geschicktes Luder! Ich spiel mit, du. Lass uns in finanziellen Kontakt treten, hey. Ich habe noch ne leere Abstellkammer, da kannste das Geld deponieren, woll!
    18 Millionen US-Dollar. Das sind über 13 Millionen Euro! Und wie aus der Mail zu entnehmen ist, denke ich, wird das Ganze mir netto angeboten.
    Leute, mir scheint die Sonne aus dem Allerwertesten und ich bin demnächst ein Star und rufe bald: "Nehmt mich hier raus! Aus Deutschland, ihr Finanzberater". Und dann geht's reich ins Heim statt heim ins Reich. In Geldmünzen werde ich baden, in Geldscheinen tauchen und zwischen all den Säcken mit Geld nicht mehr auffallen.

    Endlich.

    Jetzt muss ich nur noch auf jenes einmalige Angebot antworten. Wo ist nochmal der Antwort-Knopf des Email-Programms?
    Hm.
    Frau Oberpflegerin, könnten Sie sich mal wieder um mich kümmern und nicht um die Strickgruppe? Wie antworte ich hier?
    ...

  • Frage des Abends:

    Dose aufhebeln und direkt leer löffeln?
    Oder doch eher in selbstgemachten Churros abfüllen und dann genüßlich noch warm langsam genießen?

    Doce de Leite

    Und dann noch:
    Wie viel km in wie viel Stunden muss ich dann heute Nacht noch joggen, damit mir niemand diese Leckerei ansieht? ...

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